Martin von Tours | Martinstag | Warum „Martinigänse“ essen?

Bevor ich mich mit der Frage beschäftige, warum zu diesem katholischen Festtag Gänse gegessen werden, möchte ich einen kurzen Blick auf das Leben des Mannes richten, dessen Festtag am 11. November gefeiert wird.


11. November 397 – ein Mann namens Martin de Tours, 3. Bischof von Tours, wird zu Grabe getragen. Sein Einsatz galt armen Menschen und denen, die Ungerechtigkeiten erdulden mussten.

Die Familientradition zwang Martin von Tours zum militärischen Dienst und er diente unter Kaiser Constantius II. Während seiner Zeit als Soldat kam es zur berühmten Mantelspende. Die Erzählung besagt, dass Martin vor den Stadttoren Amiens einem frierenden Bettler begegnet ist. Mit seinem Schwert teilte Martin seinen Mantel und überlies eine Hälfte dem Bettler. Nachts erschien im Christus mit dem Mantelstück – er war es, der ihn getarnt als Bettler prüfte.El Greco, St. Martin und ein Bettler, Öl auf Leinwand, 193.5 x 103 cm, circa 1597-1599, National Galerie of Art, Washinton D.C El Greco, St. Martin und ein Bettler, Öl auf Leinwand, 193.5 x 103 cm, circa 1597-1599, National Galerie of Art, Washinton D.C

Mit ca. 18 Jahren wurde Martin getauft, er wollte nicht weiter kaiserlicher Soldat sein, sondern als Soldat Christi den Menschen dienen.
Sulpicius Severus berichtet in seiner Vita Sancti Martini, verfasst um 395, von dessen Absage an den Kaiser:
Bis heute habe ich dir gedient, Herr, jetzt will ich meinem Gott dienen und den Schwachen. Ich will nicht mehr länger kämpfen und töten. Hiermit gebe ich dir mein Schwert zurück. Wenn du meinst, ich sei ein Feigling, so will ich morgen ohne Waffen auf den Feind zugehen.[1]

Dem Volk war Martin als asketischer Wohltäter bekannt und der Wunsch ihn als Bischof von Tours zu haben wurde laut. Der Klerus hatte Vorbehalte und die Legende besagt auch Martin selbst, wollte nicht zum Bischof geweiht werden. Er hätte sich geweigert und versteckte sich deshalb in einem Gänsestall.Foto: Claus Ableitner, Franz Müller-Steinfurth, Statue des St. Martin mit Gans , Bronze, Waldsee, Rheinland-Pfalz/DFranz Müller-Steinfurth, Statue des St. Martin mit Gans , Bronze, Waldsee, Rheinland-Pfalz/D
Foto: Claus Ableitner

371/372 wurde Martin trotz aller Widerstände zum Bischof geweiht, für das Volk war er ein treusorgender und gerechter Bischof. Er gründete das erste Kloster des Abendlandes, 80 Mönche lebten darin in Askese und ohne Verbindung zum Klerus. Mit dieser Lebens- und Glaubensform hatte Martin im Klerus immer wieder Gegner. Martin lehnte es auch ab kaiserliche Elemente in Gottesdienste zu übernehmen und lebte selbst nicht in bischöflichen Gemäuern, sondern in einer Hütte vor den Stadtmauern. Er saß auch nicht auf der bischöflichen Kathedra, sondern auf einem Bauernschemel.

Während einer Missionsreise starb Martin von Tours 397 und wurde in Tours beerdigt, über seinem Grab wurde eine Kapelle erbaut.


Und warum werden zu Martins Festtag Gänse gegessen?
Es wird erzählt, dies hätte mit dem Verrat der Gänse zu tun. Als sich Martin im Gänsestall versteckte, um einer Bischofsweihe zu entgehen, wurde er durch das Geschnatter der Gänse entdeckt. Eine andere Geschichte besagt, während einer Messe in der Kirche kamen Gänse ins Gotteshaus und unterbrachen Martins Rede.
Eine historische und pragmatische Erklärung ist, dass die Zeit um den Martinstag als Zeitpunkt für die Neuberechnung des Wirtschaftsjahres der Bauern galt. So wurden zu diesem Tag Löhne bezahlt und Verträge aufgesetzt. Gänse wurden geschlachtet, um diese nicht durch den Winter durchfüttern zu müssen. Also gab es vor einer 6-wöchigen Fastenzeit bis zum Weihnachtsfest Gänse zu essen.

Das alles ist sehr sehr lange her.
Heute im 21. Jahrhundert wird der Brauch zu Martini Gänse zu ermorden, ihr Inneres auszuscharben, ihre Federn zu rupfen und anschließend die toten Tierkörper nackt in ein Backrohr zu schieben immer noch vollzogen – Bitte nicht: Tiere essen war gestern![2]

Mit dem Verzehr von Gänseprodukten wird Tierquälerei in Auftrag gegeben.

Hier ein Rezept für → tierleidfreies und klimafreundliches Martinsgansl von veganblatt.com

PETA: Zehn Gründe für einen gänsefreundlichen Martinstag!
VIER PFOTEN: Was Sie tun können!
VGT: Martinigänse aus Massentierhaltung


Quellen:
JÖCKLE, Clemens, Lexikon der Heiligen
[1] Ökumenisches Heiligenlexikon
[2]
VEBU – Tiere essen war gestern

2 Gedanken zu “Martin von Tours | Martinstag | Warum „Martinigänse“ essen?

  1. Ich kann es mir nicht mehr vorstellen, jemals wieder eine ganz zu essen und freue mich, dass meine Mann und Sohn das genauso sehen. So gibt es zuhause keine Diskussionen, wir sind uns einig, das tut gut. Ansonsten kann ich nur hoffen, dass das Bewusstsein der Menschen sich mit der Zeit ändern wird und auch solche Bräuche der Vergangenheit angehören. Ich werde das bestimmt nicht mehr erleben, trotzdem merke ich, dass gerade in der jungen Generation bei einigen ein Wandel einsetzt und das ist ein Anfang! lg Martlies

    1. Schön, dass mit deinen Lieben Einigkeit darüber besteht keine Tierkörper zu essen.
      Alle großen Veränderungen brauchen/brauchten Zeit (Sklavenhandel, Menschenrechte, Frauenrechte etc.) der Wandel ist nicht aufzuhalten, für eine umwelt- und tierfreundliche Zukunft auf in unseren Köpfen, Tellern, Einstellungen etc.
      Danke für deinen Beitrag dazu!
      liebe Grüße
      viwi

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