☼ Geburtstag Astrid Lindgren | Schriftstellerin und Aktivistin

Astrid Lindgren wurde am ☼ 14.11.1907 in Schweden geboren, wo sie am † 28. Januar 2002 verstarb.
Weltweit bekannt wurde Lindgren als Schriftstellerin und Kinderbuchautorin mit der Geschichte von Pippi Langstrumpf, die sie als Geschenk für ihre Tochter im Jahre 1944 geschrieben hat.
Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit war Lindgren politisch sehr engagiert.

Politisches Engagement | Kinder 
Aktiv setzte sie sich für die Rechte von Kindern ein. In einer Zeit, in der es  völlig normal war und notwendig erschien, Kinder mit körperliche Züchtigung zu erziehen, erhob sie ihre Stimme gegen Gewalt an Kindern.


Auszug aus Rede von Astrid Lindgren anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 1978

Jenen aber, die jetzt so vernehmlich nach härterer Zucht und strafferen Zügeln rufen, möchte ich das erzählen, war mir einmal eine alte Dame berichtet hat. Eines Tages hatte ihr kleiner Sohn etwas getan, wofür er ihrer Meinung nach eine Tracht Prügel verdient hatte, die erste in seinem Leben. Sie trug ihm auf, in den Garten zu gehen und selber nach einem Stock zu suchen, der er ihr dann bringen sollte. Der kleine Junge ging und blieb lange fort. Schließlich kam er weinend zurück und sagte: »Ich habe keinen Stock finden können, aber hier hast du einen Stein, den kannst du ja nach mir werfen.« Da aber fing auch die Mutter an zu weinen, denn plötzlich sah sie alles mit den Augen des Kindes. Das Kind muss gedacht haben, »meine Mutter will mir wirklich wehtun, und das kann sie ja auch mit einem Stein«. Sie nahm ihren kleinen Sohn in die Arme, und beide weinten eine Weile gemeinsam. Dann legte sie den Stein auf ein Bord in der Küche, und dort blieb er liegen als ständige Mahnung an das Versprechen, das sie sich in dieser Stunde selber gegeben hatte. »NIEMALS GEWALT!« [1]

→ Rede »NIEMALS GEWALT!« anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels im Jahre 1978


Marginalie: Aufgrund einer Regel musste die geplante Rede vor ihrer Abhaltung bei der Preisverleihung vorab den Veranstaltern zum Lesen gegeben werden. Diese schlugen Lindgren vor den Preis anzunehmen ohne die Rede zu halten. Dies würde sie dazu veranlassen nicht an der Veranstaltung teilzunehmen, gab diese darauf bekannt. Die Veranstalter baten sie zu kommen und ihre Rede zu halten.

Folgen
In Schweden wurde 1979 ein Gesetz gegen Züchtigung und elterliche Gewalt gegen Kinder erlassen, andere europäische Länder folgten später.

Politisches Engagement | Tiere
„Kühe und Wiesen brauchen einander“ war der Titel des Artikels von Astrid Lindgren zum Thema Tierschutz, der 1985 in der Zeitung Dagens Nyheter erschienen ist und viel Resonanz hervorrief. Lindgren wuchs auf einem Bauernhof auf, wo jedes Tiere noch einen Namen hatte, die Entwicklung hin zu qualvoller Massentierhaltung, in der Tiere als Produktionseinheiten gelten, widerstrebte ihr.
Gemeinsam mit Veterinärmedizinerin Kristina Forslund startete sie eine Tierschutzkampagne und veröffentlichten  von 1985 – 1988 regelmäßig Artikel zum Thema Tierschutz in der Zeitung Expressen.

Folgen
Staatsminister Ingvar Carlsson war sich Lindgrens machtvoller Stellung in der Gesellschaft bewusst und versprach ihr mit »Lex Lindgren« ein verbessertes Tierschutzgesetz zum 80. Geburtstag zu schenken.
Doch Staatsminister Carlsson hielt nicht was er versprach, in »Lex Lindgren« waren Gebiete, wo Tierschutz besonders nötig gewesen wären, vom Gesetz ausgenommen.
1. Die spezialisierte Rindfleischproduktion
2. Die Schlachtschweinproduktion
3. Die Schlachtung [2]

Astrid Lindgren tobte:
„Lex Lindgren? Wer hat sich ausgedacht, dass das neue Tierschutzgesetz so heißen soll? Und soll ich mich etwa geschmeichelt fühlen, dass dieses nichtssagende Gesetz nach mir benannt wurde?“ [3]
„Wer hat die Regierung zu dieser ausgehöhlten Deutung des edlen Versprechens getrieben?“ [4]

Das Buch »Meine Kuh will auch Spaß haben – Einmischung in die Tierschutzdebatte« von Astrid Lindgren und Kristina Forslund dokumentiert wie und warum es so wurde, wie es geworden ist. Ein Aufruf zum Umdenken, nicht nur an Politiker_innen und Bauern_Bäuerinnen gerichtet, sondern auch an jede_n Verbraucher_in.

Können wir Frieden auf der Welt erlangen?
Astrid Lindgren: „Ich glaube, Gottvater sollte einen großen Schwamm nehmen und die ganze Erde abwaschen, damit all seine Menschen auf einen Schlag verschwinden. Und dann könnte er es mit ein paar neuen versuchen. Eine neue Art!“
Reporter: „Wozu sollte das gut sein?“
Astrid Lindgren: „Ich hab nicht gesagt, dass es gut ist. Ich hab nur gesagt, dies könnte wohl die einzige Möglichkeit sein, um ewigen Frieden zu erlangen.“ [5]

Quellen:
[1] 100 Jahre Astrid Lindgren, Verlag Friedrich Oetinger, Hamburg 2007
[2], [3], [4], [5] astridlindgren.de
efraimstochter.de

6 Gedanken zu “☼ Geburtstag Astrid Lindgren | Schriftstellerin und Aktivistin

  1. miss viwi, danke dafür, dass Du Astrid Lindgren so ausführlich gewürdigt hast. ♥ Sie hatte es mehr als verdient. Ich kannte vieles von ihr schon lange und freue mich besonders, dass dies ein jüngerer Mensch tut und auch speziell auf ihre Verdienste außerhalb des Bücherschreibens hinweist. Sie lebte in einer anderen Zeit und war wirklich Wegweiser und eine große Leitfigur, nicht nur für Schweden! Teile der „Nie-wieder-Krieg-Rede“ und der Friedenspreis des dt. Buchhandels haben mich damals darauf aufmerksam gemacht. Und ich habe bestimmt 100e ihrer Kinderbücher verkauft. Sie fehlt! Herzliche Grüße von Anemone

    1. Liebe Anemone!
      Danke für deinen Besuch und dein Feedback.
      Freut mich, dass dir als mit ihrem Werk und Leben vertraute Leserin mein Artikel zu Astrid Lindgrens Geburtstag gefällt.
      Ich finde es immer schade, wenn in Rezeption und Tradierungen über Menschen scheinbar eine Reduktion auf ganz bestimmte Lebens- Tätigkeitsbereiche vorgenommen wird (obwohl das natürlich auch oft nicht anders geht, habe ich ja selbst auf bestimme Aspekte reduziert). Bei der Recherche habe ich auch den Eindruck bekommen, ihre Bücher, die politische Themen beinhalten werden nicht neu aufgelegt, kann das sein. Beispielsweise »Meine Kuh will auch Spaß haben – Einmischung in die Tierschutzdebatte«.

      Ich freu mich über deinen Besuch.
      Liebe Grüße
      miss viwi

  2. Liebe miss viwi –
    danke…
    Mit lieben Grüßen
    M.M.

    Hier ein Songtext von Joan Baez
    Sind so kleine Hände, winz’ge Finger dran.
    Darf man nie drauf schlagen, die zerbrechen dann.

    Sind so kleine Füsse, mit so kleinen Zeh’n.
    Darf man nie drauf treten, könn’sie sonst nicht geh’n.

    Sind so kleine Ohren, scharf und ihr erlaubt.
    Darf man nie zerbrüllen, werden davon taub.

    Sind so schöne Münder, sprechen alles aus.
    Darf man nie verbieten, kommt sonst nichts mehr raus.

    Sind so klare Augen, die noch alles seh’n.
    Darf man nie verbinden, könn’n sie nichts versteh’n.

    Sind so kleine Seelen, offen und ganz frei.
    Darf man niemals quälen, geh’n kaputt dabei.

    Ist so’n kleines Rückgrat, sieht man fast noch nicht.
    Darf man niemals beugen, weil es sonst zerbricht.

    Grade klare Menschen, wär’n ein schönes Ziel.
    Leute ohne Rückgrat, hab’n wir schon zuviel.

  3. „Ich glaube, Gottvater sollte einen großen Schwamm nehmen und die ganze Erde abwaschen, damit all seine Menschen auf einen Schlag verschwinden. Und dann könnte er es mit ein paar neuen versuchen. Eine neue Art!” Ich wiederhole dies hier ganz bewusst. Das ist genau das, was ich auch so oft denke und mich dann frage, ob ich ein Menschenfeind bin? lg Marlies

    1. Hallo Marlies!
      Danke für dein Kommentar. Mit dieser Passage meinen Artikel abzuschließen strotzt nicht gerade vor Optimismus. Beim Recherchieren zu Astrid Lindgren, im Besonderen zu ihrem Aktivismus bzgl. Tierschutz stellte ich die teilweise unglaublichen Parallelen zu aktuellen Situationen bei Gesetzesentwürfen etc. fest und jeglicher Optimismus schwand.

      Genau die selbe Frage habe ich mir ebenfalls schon oft gestellt. Bin ich ein Menschenfeind? NEIN, ich liebe Menschen, doch ich verabscheue Ignoranz, Dummheit, Gleichgültigkeit, Realtitätsverweigerung, Lügen etc. leider ist der Mensch Urheber und Begründer dieser Begriffe, die es zu bekämpfen gilt . Für mich ist diese Differenzierung manchmal hilfreich, um zu erkennen, dass ich wahrscheinlich doch kein Menschenfeind bin.
      liebe Grüße,
      miss viwi

      1. Danke für Deine Worte, Du hast das klar ausgedrückt, da kann ich was mit anfangen, merke, dass ich mit meinen Gefühlen nicht allein bin. Astrid Lindgren eine bewundernswerte Frau, von ihr wird man hoffentlich auch noch in 100 Jahren sprechen. lg MArlies

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